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Forum Alpbach

Design für die „neuen Alten“

25. Aug 2011

Auf Einladung von EcoPlus, der Wirtschaftsagentur des Landes Niederösterreich, referiert Georg Wagner, Managing Partner bei Spirit Design, am diesjährigen Forum Alpbach. Thema sind Designinnovationen für die Generation der Über-50-Jährigen. Fazit: Design und Qualität haben bei dieser Zielgruppe einen hohen Stellenwert. Wagner zeigt auch auf, dass Produkte, welche die Bedürfnisse älterer Käuferschichten auf richtige Weise berücksichtigen, generell am Markt erfolgreicher sind.

Wien, August 2011; Die Wirtschaft tut gut daran, auf die Bedürfnisse der New Agers einzugehen: Die Generation im Alter von 50 bis 59 verfügt in Österreich über die größte Kaufkraft aller Altersgruppen. Konkret stemmen die drei Millionen Menschen der Generation 50 plus ein Kaufkraftvolumen von 68 Mrd. Euro, was 44,3 Prozent der heimischen Konsumleistung entspricht. Mit 24.300 Euro haben die 50- bis 59-Jährigen folgerichtig auch das größte durchschnittliche Einkaufsbudget. Ihre durchschnittliche Kaufkraft ist um 33 Prozent höher als jene aller Altersgruppen, die 18.300 Euro beträgt. Und: Sie wollen keine Produkte, die sie selbst alt aussehen lassen, sondern legen Wert auf hohe Funktionalität, Attraktivität sowie Designqualität. In vielen Fällen kommt noch der Faktor Ökologie hinzu: Immer mehr ältere Menschen bevorzugen jene Angebote, die den Anforderungen nachhaltigen Wirtschaftens entsprechen.

Hoher Qualitätsanspruch

Georg Wagner, Gründer und Managing Partner von Spirit Design, erklärt dazu: „Unternehmen, die erkennen, welche Anforderungen die Generation ab 50 an Produkte stellt, werden auch bei jüngeren Zielgruppen mehr Erfolg haben.“ Dieser Zusammenhang wird mit dem Begriff Universal Design verdeutlicht: Er steht für eine Produktgestaltung, die hinsichtlich Nutzerfreundlichkeit und Funktionalität die Bedürfnisse älterer Personen berücksichtigt und genau dadurch die Attraktivität des Produktes für alle Zielgruppen steigert – denn Usability und funktionelles Design sind Vorteile, die jeder Käufer zu schätzen weiß.

Design für Alte: Design für alle

Als Beispiele nennt Wagner den Hochgeschwindigkeitszug ÖBB railjet und ein Festnetztelefon des US-Unternehmens Walker Equipment für die holländische Telekom. Das Telefon war ursprünglich für die Zielgruppe älterer Personen bzw. solche mit eingeschränkter Mobilität geplant gewesen; es entwickelte sich aber aufgrund seines funktionellen, auf die wesentlichen Funktionen reduzierten Designs zum Bestseller des Festnetzanbieters. Auch bei der Gestaltung des ÖBB railjet wurden die Bedürfnisse älterer oder behinderter Fahrgäste berücksichtigt und damit gleichzeitig die Attraktivität für alle gesteigert: Signalfarben an den Eingängen, barrierefreie Übergänge, ergonomische Sitze und Orientierungshilfen mittels Licht sind einige Beispiele für den Einsatz von Universal Design bei der Entwicklung des Hochgeschwindigkeitszuges.

Integration von Produkt, Service und Marke

Der ÖBB railjet repräsentiert außerdem eine zweite Design-Strategie, die wesentlich ist für den Erfolg von Produkten bei älteren Personen: Integrated Design. Der Begriff steht für die bestmögliche Gestaltung der drei Bereiche Produkt, Service und Marke. Beispiele für Service-Design beim railjet sind etwa der Am-Platz-Service, der Infopoint zur persönlichen Betreuung und die Online-Sitzplatzreservierung. Die Integration von Brand Design zeigt sich beispielsweise im prägnanten Markenschriftzug, in der klaren Markenarchitektur und in gut sichtbaren Piktogrammen.

Schlussfolgerung

Wer gestern alt war ist heute noch aktiv und konsumfreudig – wenn die Angebote stimmen. Der Lebensstil der älteren Generation hat sich verändert: Aktivität im beruflichen, geistigen, sportlichen und sozialen Sinne ist an die Stelle von Lethargie und Rückzug getreten. Unternehmen müssen bei ihren Innovationsstrategien bedenken, dass sich das Verständnis des Begriffes „Altern“ in unserer Gesellschaft grundlegend verändert hat. Mittels der Strategien Universal Design und Integrated Design gelingt es, Angebote zu schaffen, die den Erfordernissen der „neuen Alten“ gerecht werden und gleichzeitig eine breite Zielgruppe ansprechen.

Das Forum Alpbach findet dieses Jahr von 18. August bis 3. September statt. Georg Wagners Referat am 26. August bildet einen Teil der Technologiegespräche (25. bis 27. August).


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